Warum gründet man für Amazon USA eine Firma?
Für den Verkauf auf Amazon.com ist eine US-Firma keine gesetzliche Pflicht. Amazon akzeptiert auch Einzelkonten mit türkischer Adresse und türkischer Steuernummer. Trotzdem gründet der überwiegende Teil der Verkäufer, die auf Volumen zielen, innerhalb der ersten zwölf Monate eine US-Firma, denn die Kosten einer Fortführung als Einzelunternehmen zeigen sich auf jeder Ebene des Betriebs einzeln.
Der erste Grund ist die Haftungsbegrenzung. Die LLC trennt Schulden und Verbindlichkeiten der Firma vom Privatvermögen. In einem Markt, in dem Produkthaftungsklagen erhebliche Summen erreichen, ist diese Trennung kein theoretisches Detail. Der zweite Grund ist die Zahlungsinfrastruktur: Lösungen wie Mercury, Relay, Wise Business und Payoneer sowie der direkte Zugang zu US-Karten über Stripe setzen in der Regel eine US-Rechtsperson und eine EIN voraus. Der dritte Grund liegt auf der Lieferanten- und Logistikseite; Prep Center, 3PL und Freight Forwarder in den USA schließen Verträge bevorzugt mit einer US-Firma ab, manche arbeiten ausschließlich so.
Der vierte Grund ist die Markenseite. Die Markenanmeldung über das USPTO und die anschließende Eintragung in die Amazon Brand Registry laufen operativ sauberer, wenn sie über eine US-Firma abgewickelt werden. Hier ist eine Warnung nötig: Eine Firmengründung in den USA hebt die Anwaltspflicht des USPTO nicht auf. Entscheidend ist, wo sich der Hauptsitz der Firma befindet; wird Ihre Firma aus der Türkei geführt, gelten Sie gegenüber dem USPTO als ausländisch ansässig und müssen die Markenanmeldung über einen in den USA zugelassenen Markenanwalt einreichen. Dieser Punkt hängt von der Person und vom tatsächlichen Verwaltungssitz der Firma ab, eine pauschale Antwort gibt es nicht.
Der fünfte Grund sind Exit- und Wachstumsszenarien. Wenn Sie Ihr Amazon-Geschäft verkaufen, Investoren aufnehmen oder mit einem Aggregator sprechen wollen, schaut die Käuferseite zuerst auf eine saubere Rechtsperson, ordentliche Bücher und einen übertragbaren Seller-Account. Diese Struktur nachträglich aufzubauen ist immer teurer, als sie von Anfang an richtig aufzusetzen.
- Haftungsbegrenzung: Produkthaftung und Geschäftsschulden werden vom Privatvermögen getrennt
- Zahlungsinfrastruktur: mit der EIN öffnen sich US-Fintech-Konten sowie Stripe- und Payoneer-Anbindungen
- Lieferantenzugang: 3PL, Prep Center und Großhändler in den USA arbeiten bevorzugt mit einer US-Firma
- Markenschutz: USPTO-Anmeldung und der Prozess der Brand Registry verlaufen berechenbarer
- Übertragbarkeit: es entsteht eine Struktur, die beim Verkauf leicht auf den Käufer übergeht und prüfbar ist